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29.11.2019

Buddhismus im Dialog

Im Rahmen der von der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft und dem Verein Animal Compassion veranstalteten Serie „Tier.Mensch.Gesellschaft“ fand Ende November 2019 in der Wiener Urania der Film- und Diskussionsabend „Bauer Unser“ statt.

 

Moderatorin Mag. Dr. Maria Harmer vom ORF eröffnete vor zahlreichem Publikum mit einem Zitat des Buddha: „Möge alles Geschaffene und Lebendige, mögen alle Wesen, welcher Art auch immer sie seien, nichts erfahren, wodurch ihnen Unheil droht. Möge ihnen niemals Böses widerfahren", und verknüpfte diese Aussage mit der Frage, was der Mensch als Konsument tun kann, um Tierleid zu vermindern oder gar zu vermeiden. Und ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab, Vorstandsmitglied der Initiative Weltethos Österreich sowie Mitbegründer und Obmann von Animal Compassion bekräftigte: „Unser Anliegen ist es, das Wort des Buddha möglichst zahlreich umzusetzen. Im Sinne der buddhistischen Lehre, dass alles mit allem in Verbindung steht, möchte ich sie deshalb auf das Tierschutzvolksbegehren und das Klimavolksbegehren hinweisen und sie bitten, zu unterschreiben. Wir brauchen das Tierwohl und wir brauchen den Klimaschutz, um selbst ein glückliches Leben führen zu können.“


Der danach folgende Film „Bauer Unser“ zeigte gleichermaßen ungeschönt wie unaufgeregt, wie es auf Österreichs Bauernhöfen zugeht. So vielfältig die Bauern, vom Biobauern bis zum konventionellen Agraringenieur, so einhellg der Tenor: so kann und wird es nicht weitergehen. Das Mantra der Industrie – schneller, billiger, mehr – stellen die meisten von Ihnen in Frage.

 

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In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Laut Mag. Robert Schabus, Regisseur des Films, müsste sich der Mensch mehr als politisches Wesen wahrnehmen, denn als Konsument: „Das würde bedeuten, in Reformläden zu gehen oder sich direkt einen Produzenten zu suchen oder sich in einer Einkaufsgenossenschaft zu organisieren. Das wäre ein politischer Akt und würde mehr bewirken, als in einem Supermarkt von einem Packerl Milch zum anderen zu laufen!“


Horst Moser, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter der Firma Biogast, Österreichs größtem Fachgroßhandel für biologische Lebensmittel, kritisiert die Massenschlachtung in den Großschlachthöfen: „Es sollte mehr kleinere oder mittlere Schlachthöfe geben, die den Lebensweg eines Tieres respektvoll beenden können. Die Tiere müssen zur Ruhe kommen, um dann angstfrei geschlachtet zu werden. Wenn der Konsument diesen Unterschied kennt, ist er sicher bereit, mehr Geld auszugeben, wenn das Tier stressfrei geschlachtet worden ist.“


In die gleiche Kerbe schlägt Ludwig Ullmann, pensionierter Biobauer, der seinen Betrieb von konventioneller Rindermast auf Mutterkuh-Weidehaltung mit Selbstvermarktung umstellte: „Herkunftsgarantie und Direktvermarktung werden immer wichtiger. Die Konsumenten kommen auf den Hof und schauen sich an, wie die Tiere draussen auf der Weide und im Stall leben und wie sie geschlachtet werden. Wenn sie sehen, wie wir uns um das Tierwohl kümmern, sind sie auch bereit, mehr Geld auszugeben.“

 

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ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab bedankte sich schließlich für die angeregte Diskussion und betonte nochmals die Zielsetzung von Animal Compassion, die Tiere als fühlende Wesen zu erkennen und dafür Bewußtsein zu schaffen: „Aus buddhistischer Sicht ist es wichtig zu erkennen, dass Mensch und Tier im Sinne von Leid vermeiden zu wollen und Wohlsein erhalten zu wollen, völlig ident sind.“ Und er schließt mit der Bitte ab: „Sie sind die Multiplikatoren - gehen sie hinaus, um die Menschen zu erreichen, die uns hier nicht aufsuchen. Geben sie das heute Erfahrene mit sehr viel Mitgefühl weiter, nicht radikal, dann haben wir die Chance, es zu verbreiten.“

 

Redaktion und Fotos: Manfred Krejci

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