Buddhismus

Die Drei Daseinsmerkmale

Kopf einer Buddha-statueBagan)

Die Einsicht in die grundlegenden Merkmale des Daseins führen zur Befreiung.

Vier Symbole für die Vier Edlen Wahrheiten

Die drei Daseinsmerkmale

 

Buddha erkannte die wahre Natur aller Phänomene und beschrieb sie in den drei Daseinsmerkmalen (Pali: tilakkhana).   

  • Vergänglichkeit ( P. anicca ): Alles bedingt Entstandene ist dem Vergehen und ständiger Veränderung unterworfen.
  • Leidhaftigkeit ( P. dukkha ): Alles, was vergänglich ist, ist potenziell schmerzhaft und leidvoll, besonders wenn wir daran festhalten.
  • Nicht-Selbst ( P. anatta ): wenn wir die Dinge und uns selbst tief genug betrachten, erkennen wir: Es existiert kein unabhängiger, unveränderlicher Kern, auch kein „Ich“ oder eine Seele, die unveränderlich ist. Alles ist ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren, Phänomene treten hervor und verschwinden wieder.

Sie bilden das Herzstück der buddhistischen Philosophie und Praxis.

Die Tore der Befreiung

 

Im Mahayana werden die auf Buddha zurückgehenden Lehren der Daseinsmerkmale mit dem Aspekt der “Leerheit” verbunden. So nennt der vietnamesische Lehrer Thich Nhat Hanh statt der Leidhaftigkeit aller Phänomene (S. duhkkha), ihr “Leer-Sein” (S. shunya) als dritten Aspekt.

Damit sind das Bedingte Entstehen, Nicht-Selbst und Leerheit nicht mehr bloße Theorien, sondern Wege, dieselbe Wahrheit zu beschreiben.

 

1. Das Bedingte Entstehen: Ein Netz von Ursachen (S. pratitya-samutpada)

 

Kein Phänomen entsteht isoliert: Ob ein Gedanke, ein Gebäude, ein Wetterphänomen oder ein Lebewesen – alles tritt nur in Erscheinung, weil bestimmte Bedingungen zusammentreffen.
Wenn das ist, ist jenes. … wenn das nicht ist, ist jenes nicht.”
Eines geht aus etwas anderem hervor.

 

2. Die Lehre vom Nicht-Selbst: Das Sein als Prozess (S. anatman, P. anicca)

 

Wenn alles bedingt ist, kann es keinen festen Kern geben, auch nicht in uns selbst. Wir sind keine statischen Wesen, sondern eher mit einem fließenden Strom aus Körperlichkeit, Empfindungen, Willensregungen und Bewusstsein vergleichbar. Die Erkenntnis, dass es kein starres Ich gibt, ist kein Verlust, sondern ein Zugewinn. Denn es ermöglicht das Bewusstwerden, dass wir in Wahrheit “alles” sind.

3. Shunyata: Die Leerheit als grenzenlose Fülle (S. shunyata)

 

Die Lehre von der Leerheit (S. shunyata) wird oft als nihilistisch missverstanden. Sie bedeutet aber nicht, dass nichts existiert oder dass alles bedeutungslos ist:

Leerheit meint nicht Nicht-Existenz, sondern die Abwesenheit eines getrennten Eigenwesens.

So wie ein Becher leer von Wasser ist, aber „voll“ von Luft und Raum ist, genauso sind alle Dinge „leer“ von einem unabhängigen Kern. Nur deshalb gibt es Veränderung. Wären wir nicht „leer“ von einem unveränderlichen Ich, könnten wir nicht lernen und wachsen.

 

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