Einssein. Verbundenheit

Achtsamkeit

Kopf einer Buddha-statueBagan)

Achtsamkeit ist heute in aller Munde – von der Burnout-Prävention bis zum Management-Seminar.
Im Buddhismus ist Achtsamkeit weit mehr als eine Entspannungstechnik.

Vier Symbole für die Vier Edlen Wahrheiten

Der Begriff

 Das Sanskrit-Wort smrti (P. sati) bedeutet wörtlich übersetzt “Erinnerung, Tradition, Wachsamkeit”, heute geläufig sind die Begriffe “Achtsamkeit”, “Aufmerksamkeit”, “Gewahrsein” oder einfach “Bewusstheit”.

Im Buddhismus ist Achtsamkeit der siebente Aspekt des Achtfachen Pfades. Zugleich ist Achtsamkeit der erste der sieben “Erleuchtungsfaktoren” (S. bodhyanga, P. bojjanga). Das sind positive Qualitäten, die sich entfalten, wenn die Übenden sich auf dem richtigen Weg befinden:

  • Achtsamkeit (S. smrti, P. sati)
  • Ergründung der Dharmas (S. dharmapravicaya)
  • Kraft (S. virya)
  • Unbeschwertheit (S., P. prashrabdhi)
  • Freude (S. priti)
  • Konzentration (S., P. samadhi)
  • Gleichmut (S. upeksha, P. upekkha)

Sie sind wichtige Kriterien dafür, ob der eingeschlagene Weg in die „richtige“, nämlich „heilsame“ Richtung führt.

Das Satipatthana-Sutra: Vier Pfeiler der Achtsamkeit

 

Die Übungen der Achtsamkeit werden in der „Lehrrede über die Vier Verankerungen der Achtsamkeit” (P. satipatthānasutta, S. smṛty-upasṭhānasūtra) beschrieben, sie bilden bis heute die wichtigste Grundlage für buddhistische Meditation. Buddha nennt vier Bereiche, auf die wir die Aufmerksamkeit richten sollen: Körper, Empfindungen, Geist und Geistobjekte:

Jeder Bereich umfasst verschiedene Meditationsübungen
1. Achtsamkeit auf den Körper ( P. kayanupassana ): z.B. Den Atem beobachten, die jeweilige Körperhaltung bewusst wahrnehmen (Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen), die Vergänglichkeit der physischen Form erkennen.
2. Achtsamkeit auf die Empfindungen ( P. vedananupassana ): sich bewusst zu werden, ob eine Empfindung angenehm, unangenehm oder neutral ist, Die Übung besteht darin, alle Empfindungen anzunehmen, ohne sich damt zu identifizieren.
3. Achtsamkeit auf den Geist ( P. cittanupassana): sich über die momentane Verfassung des eigenen Geistes bewusst werden, z. B. bin ich zerstreut oder ruhig?  gierig, eifersüchtig, … zufrieden?
4. Achtsamkeit auf die Geistobjekte ( P. dhammanupassana ): z. B. spirituelle Inhalte verstehen, wie die Vier Edlen Wahrheiten, den Achtfachen Pfad oder die Fünf Hindernisse

Die buddhistischen Gruppen und Traditionen haben die Übungsbereiche weiterentwickelt und oft mit zusätzlichen Komponenten ergänzt. Zahlreiche Varianten der Übungen zur Vergegenwärtigung des Atems sind bis heute ein zentrales und bekanntes Element der buddhistischen Meditation.

 

Vier Symbole für die Vier Edlen Wahrheiten

Die Kunst des Achtsamen Lebens bei Thich Nhat Hanh

 

Der vietnamesischen Buddhistischen Lehrer Thich Nhat Hanh (1926-2021), Begründer der Plum Village Tradition und des Intersein-Ordens, hat die Praxis der Achtsamkeit in den Mittelpunkt einer spirituellen Lebensweise gestellt. Sie ist für ihn der Schlüssel für das Verständnis aller anderen Aspekte des Achtfachen Pfades. Dabei spielt das achtsame Atmen eine besondere Rolle.

Thich Nhat Hanh versteht Achtsamkeit nicht nur als eine auf sich selbst bezogene Übung der Meditation. Achtsamkeit im Sinne einer aufmerksame Geistesverfassung soll sich auf alle täglichen Aktivitäten ausdehnen. Dabei ist es unerlässlich dem eigenen Tun den Rahmen einer ethischen Ausrichtung zu geben.

Damit bekommt “Im Moment Sein” eine viel tiefere Bedeutung, die der Erkenntnis und Verantwortung: Es bedeutet, sich bewusst zu werden, dass das, was “Jetzt” ist, das Ergebnis von zahlreichen Faktoren und Handlungen – von mir und anderen – ist. Zugleich ist dieses “Hier und Jetzt” der Ausgangspunkt dafür was in der Zukunft geschieht. Achtsam sein bedeutet dann, jeden Moment möglichst so auszurichten, dass heilsame Samen entstehen können.

Dafür wurden die “Übungen der Achtsamkeit” entwickelt. Sie sind die Verbindung von Achtsamkeitsmeditation und ethischer Lebensweise. Wichtig ist, dass sie als “Übungen” verstanden werden, nicht als “Gebote”. Die Unterstützung einer spirituellen Gemeinschaft (P. sangha) erleichtert die Praxis, denn alleine ist es schwer dabei zu bleiben.

 

Die Übungen der Achtsamkeit nach Thich Nhat Hanh

 

Vier Symbole für die Vier Edlen Wahrheiten
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