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01.07.2022

Buddhismus in Österreich – Teil V

Soziales Engagement – Orientierung und Unterstützung anbieten

Dass buddhistische Praxis nicht nur am Sitzkissen stattfindet, zeigt seit vielen Jahren der sogenannte „Sozial Engagierte Buddhismus“ (SEB), dem der fünfte Teil der Serie über Buddhismus in Österreich gewidmet ist.

 

SEB ist eine Bewegung, die – aus der Einsicht in die Verbundenheit aller fühlenden Wesen – eine Aufhebung der Trennung von Meditationspraxis einerseits und tätiger liebender Güte und aktivem Mitgefühl für alle Wesen andererseits betont. Es geht darum, auf der Basis der Lehre des Buddha heilsame Impulse für unsere heutige Gesellschaft weiterzugeben und sich selbst auf entsprechendes solidarisches Handeln einzulassen.

 

Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR) setzt vielfältige Aktivitäten im Bereich soziales Engagement und leistet durch ihre Beratungstätigkeit einen wertvollen Beitrag zur Orientierung in verschiedenen Lebenssituationen.

 

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 Mobiles Hospiz

 

Das Mobile Hospiz der ÖBR ist spezialisiert auf die psychosoziale Begleitung von schwerkranken Menschen und deren Angehörigen sowie die Betreuung von Trauernden. Das Angebot ist kostenlos und kann persönlich, aber auch per Telefon, WhatsApp, Skype oder andere Medien durchgeführt werden. In Fällen schwerer Trauer kann auch psychotherapeutische Hilfestellung geleistet werden, soweit es die Kapazitäten zulassen.

 

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Mag.a Ingrid Strobl, Koordinatorin des Mobilen Hospiz

 

Seit Anfang Februar 2011 ist Mag.a Ingrid Strobl Koordinatorin des Mobilen Hospiz: „Wir begleiten Menschen und deren Angehörige in der letzten Phase des Lebens. Unser Anliegen ist es dabei, die Selbstbestimmung der Patientin oder des Patienten zu unterstützen, um bestmögliche Lebensqualität und Würde bis zuletzt zu ermöglichen. Wir fördern eine gelassene und ruhige Atmosphäre, die es ermöglicht, offen mit Erwartungen, Bedürfnissen, Ängsten und Sorgen umzugehen. Die Betreuung erfolgt entweder Zuhause oder in stationären Einrichtungen. Auf Wunsch vernetzen wir mit Ärztinnen und Ärzten sowie mobilen Pflegediensten. Zur Unterstützung der Angehörigen bieten wir Palliative Sozialarbeit und Palliative Schmerztherapie.“

 

Den Angehörigen bietet das Mobile Hospiz Begleitung in ihrer Trauer an. Strobl dazu: „Wir unterstützen achtsam und respektvoll bei der Verarbeitung von traumatischen Lebenssituationen in Zusammenhang mit Alter, Krankheit und Tod bzw. vermitteln Hilfestellungen.“

 

Trauerbegleitung erfolgt sowohl in der monatlichen Trauergruppe „TrauerZeit“ als auch in Einzelgesprächen. Die Gesprächs- und Meditationsgruppe „TrauerZeit“ möchte Zeit und Raum bieten, um der Trauer Ausdruck zu geben, Wege zum Abschied zu finden, der Einsamkeit zu begegnen, einander Trost zu sein, loszulassen und zu vertrauen.

 

Info: https://www.buddhismus-austria.at/oebr-organisation/engagement/mobiles-hospiz/

         https://www.hospiz-oebr.at

 

Jivaka Krankenbegleitung

 

Aufgabe dieses Angebotes ist es, erkrankte buddhistische Praktizierende und andere Kranke mit Interessen an der Lehre des Buddha sowohl in stationären Einrichtungen als auch mobil spirituell zu unterstützen. Dies stellt gleichsam die buddhistische Version der Kranken(haus)seelsorge in anderen Religionsgemeinschaften dar. Die in diesem Bereich tätigen Ehrenamtlichen sind ein kleines Team aus Buddhistinnen und Budhhisten verschiedener Traditionen mit solidem Hintergrund in der Theorie der Lehre Buddhas sowie längerer und regelmäßiger eigener Praxiserfahrung.

 

Der Name „Jivaka“ stammt aus der Zeit des Lebens des Buddha. Jivaka war der Leibarzt von König Bimbisara von Magadha, einem der Hauptgönner von Buddha Shakyamuni, der ihn auch mit der Betreuung des Sangha des Buddha beauftragt hat.

 

Info: https://www.buddhismus-austria.at/oebr/organisation/engagement/krankenbegleitung/

 

Gefangenenbegleitung

 

Seit etwa 1995 begleiten engagierte Buddhistinnen und Buddhisten Menschen, die in österreichischen Gefängnissen inhaftiert sind.

 

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Sylvie Hansbauer, Gefängnisbegleiterin und Koordinatorin für Österreich

 

Sylvie Hansbauer, seit 10 Jahren Gefängnisbegleiterin und Koordinatorin für Österreich: „Bei Insassinnen und Insassen entsteht oft eine besondere spirituelle Offenheit. Damit verbunden ist auch der Wunsch nach Kontakt zu Menschen, die ihnen Methoden zeigen können, die eigene innere Welt näher kennenzulernen, um somit sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren.“

 

Hier setzt die Arbeit der buddhistischen Gefängnisbegleitung an und ermöglicht Gefangenen, ihre Zeit in Haft für Meditation und Studium des Dharma zu nutzen. Außerdem ist es für die Untergebrachten enorm wichtig, abgesehen von Verwandten und Bekannten auch Besuch von Außenstehenden zu bekommen, denn diese Besuche sind besonders bedeutsam.

 

Die von der Justiz anerkannten Gefangenenbegleiterinnen und -begleiter stehen auf Anfrage von Insassinnen und Insassen, Angehörigen, Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und Therapeutinnen und Therapeuten in den österreichischen Justizanstalten zur Verfügung. Die Basis ist die gesetzlich verankerte Betreuung von Insassinnen und Insassen und Untergebrachten in österreichischen Gefängnissen und Anstalten. Die Möglichkeiten der Betreuung bestehen über Briefkontakt, Einzelgespräche bis hin zu Meditationsgruppen und Studiengruppen in Absprache mit den Anstaltsleitungen.

 

Info: https://www.buddhismus-austria.at/aktuellesmedien/aktuelles/buddhistische-gefangenenbegleitung/t/204

 

Animal Compassion

 

„Animal Compassion“ ist eine Gründung der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft im Rahmen des sozial engagierten Buddhismus. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, das Bewusstsein in unserer Gesellschaft zu stärken, Tiere als fühlende Wesen wahrzunehmen.

 

Ausgangspunkt dieser Gründung war der Besuch eines hohen Mönches aus Taiwan, der dort besonders auch für sein großes Mitgefühl zu Tieren berühmt ist. Bei diesem Besuch von Meister Hai Tao in Österreich sah er die vielen Fiaker am Stephansplatz in Wien bei ihrer Arbeit. Das löste bei ihm die spontane Reaktion aus, für eine Initiative den Impuls zu geben, um den Fiaker-Pferden nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess einen guten Lebensabend zu bereiten.

 

03 Rinderwahnsinn

 

ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab, Gründer von Animal Compassion in Österreich

 

ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab und Gründer von „Animal Compassion“ in Österreich: „Unser Schwerpunkt ist es, ganz im Sinne des buddhistischen Weges, ein Bewusstsein zu schaffen für die Wahrnehmung von Leid verursachenden Faktoren in unserem Verhalten den Tieren gegenüber.“ Diesem Auftrag kommt „Animal Compassion“ unter anderem im Rahmen von Veranstaltungen etwa zum Themenkreis Tierwohl, Landwirtschaft und (industrielle) Tierzüchtung nach.

 

Info: https://www.buddhismus-austria.at/aktuellesmedien/aktuelles/animal-compassion-auch-tiere-fuehlen/t/201

 

Netzwerk Achtsame Wirtschaft

 

Das Netzwerk Achtsame Wirtschaft (NAW) ist ein Zusammenschluss von Menschen, welche die Schätze der buddhistischen Praxis und Weisheit für unsere heutige Zeit und insbesondere ihr wirtschaftliches Handeln nutzbar machen wollen.

 

Die im Mai 2011 gegründete Regionalgruppe Wien widmet sich der Kultivierung von Achtsamkeit, um heilsame ökonomische und ökologische Ideen und Handlungen zu entwickeln. Dies geschieht durch Meditations- und Austauschabende, Achtsamkeitsseminare, Achtsamkeitsretreats sowie Mindful Co-Working Days.

 

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NAW-Gründer Kai Romhardt mit dem Kernteam der NAW-Regionalgruppe Wien: ­

Melina Hartmann, Sabine Putze, Erika Erber (v. l. n. r.)

 

Die NAW-Regionalgruppe Wien wird von einem dreiköpfigen Kernteam koordiniert: Sabine Putze, Erika Erber und Melina Hartmann. Die Gruppe trifft sich regelmäßig mit anderen an der Thematik Interessierten zur gemeinsamen Praxis und zum Austausch. Sie ist offen für Menschen, die sich in der Meditation und Achtsamkeit üben wollen und denen eine menschen- und umweltgerechte Wirtschaft ein Anliegen ist.

 

Info: https://achtsame-wirtschaft.de/regional-wien.html

 

Netzwerk Buddhistische Jugend

 

Junge Buddhistinnen & Buddhisten ist eine Plattform zum Austausch von jungen Menschen, die nach einer buddhistischen Gruppe suchen und gerne buddhistische Meditation lernen wollen.

 

2017 hat sich ein Team rund um die buddhistische Jugendbewegung in Österreich gebildet. In diesem Netzwerk junger Buddhistinnen und Buddhisten finden sich viele junge buddhistische Gruppen und es gibt dort Informationen, wann und wo man sie treffen kann.

 

Wer also eine buddhistische Gruppe sucht oder gründen will, erhält in diesem Netzwerk Hilfestellung.

 

Kontakt: info@buddhistischejugend.at

 

Die Serie wird fortgesetzt.

 

Manfred Krejci

war langjähriger Verlagsleiter und Chefredakteur in einem renommierten Fachzeitschriftenverlag, besuchte den Lehrgang der Akademie für Buddhismus und Christentum, absolvierte eine Ausbildung zum Meditations- und Achtsamkeitslehrer, ist Pressechef der ÖBR und Leiter ihrer Bibliothek.



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