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07.05.2021

Buddhismus in Österreich - Teil III

Dharma – Die Essenz von Buddhas Lehre erhalten

Die buddhistische Lehre, Dharma genannt, bildet – gemeinsam mit Buddha und Sangha – das zentrale Fundament des Buddhismus.

 

Essenz der zeitlosen Erkenntnisse sind die Vier Edlen Wahrheiten, die Drei Daseinsmerkmale, der Edle Achtfache Pfad und die Lehre vom bedingten Entstehen.

 

Der dritte Teil der Serie „Buddhismus in Österreich“ zeigt auf, wie der Dharma sowohl durch das gesprochene Wort und den geschriebenen Text als auch durch moderne Kommunikation weitergegeben und damit eine noch nie dagewesene Verfügbarkeit geschaffen wird.

 

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Orden und Dharmagruppen

 

In der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft sind die Orden und Dharmagruppen aller großen buddhistischen Traditionen unter einem gemeinsamen Dach vereint. In Österreich leben heute über 30 Ordinierte aus 12 Ländern, ein Drittel davon sind Nonnen.

 

Die Ordinierten sorgen für den Weiter­bestand der Lehre, indem sie deren Inhalte studieren, lehren und praktizieren und sie so von Generation zu Generation weitertragen.

 

Stellvertretend für alle Ordinierten werden im Folgenden herausragende Persönlichkeiten und deren Aktivitäten näher vorgestellt. Eine Botschaft der Mönche und Nonnen zu der von der Redaktion gestellten Frage „Was braucht es für eine weitere heilsame Entwicklung des Buddhismus in Österreich und was ist dein Beitrag dazu?“ rundet das Bild ab.

 

Bhante Seelawansa Wijayarajapura Maha Thero

 

Stammt aus Sri Lanka und ist bereits seit Mitte der 80er Jahre für die buddhistische Ge­meinschaft in Österreich tätig und im Rahmen der ÖBR-Theravadaschule und dem Dhamma­zentrum Nyanaponika aktiv. Er unterstützt die Entwicklung des Buddhismus in vielfältiger Form durch Vorträge, Zeremonien und die Teilnahme an universitären Ausbildungen.

 

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Seine Botschaft: „Für eine heilsame Ent­wicklung des Buddhismus ist es wichtig, im Rahmen der Dharmapraxis die eigene Moti­vation zu untersuchen und zu hinterfragen, warum man die Lehre Buddhas praktiziert. Zur eigenen Orientierung und Reflektion hilft es, die eigene Praxis mit der Lehre des Buddha zu vergleichen. Eine aktive Praxis ist notwendig für eine Auseinandersetzung mit sich und seiner Umgebung, um so mit sich selbst und anderen richtig umzugehen.“ Und Bhante Seelawansa schließt mit einem Zitat Buddhas: „Dies allein lehre ich euch jetzt wie ehemals: Das Leiden und die Aufhebung des Leidens.“ (M22).

 

Marina Myo Gong Jahn

 

ist in der ÖBR seit Mitte der 90er Jahre aktiv. Sie ist in der koreanischen Zen-Tradition ordi­niert und Mitbegründerin des buddhistischen Religionsunterrichts in Österreich. Seit vielen Jahren ist sie Vizepräsidentin und Zeremoni­enleiterin der ÖBR.

 

Marina Myo Gong Jahn

 

Ihre Botschaft: „Nachdem ich bald 15 Jahre als Vizepräsidentin der ÖBR für die Entwicklung des Buddhismus mitgearbeitet habe, sind mei­ne Gedanken Folgende: weiterhin ein so guter Zusammenhalt und eine so gute Kommunika­tion innerhalb des Präsidiums. Förderung und Unterstützung der Gruppen zur heilsamen und guten Kommunikation zwischen den so un­terschiedlichen Traditionen. Kommunikation, Mitgefühl und Gleichmut als tragende Säulen auf dem gemeinsamen Weg in die Zukunft des Buddhismus in Österreich.“

 

Meisterin Juerong

 

Nonne des taiwanesischen Fo Guang Shan Or­dens mit einem sehr schönen Tempel in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus. Die Nonnen sind sozial und auch im interreligiösen Dialog sehr engagiert. Sie kümmern sich um die taiwane­sische Gemeinschaft in Österreich und feiern gemeinsam seit vielen Jahren das Gedenken an Verstorbene am Buddhistischen Friedhof in Wien.

 

Meisterin Juerong

 

Ihre Botschaft: „Die Verbreitung des Buddhis­mus muss den Bedürfnissen der modernen Menschen entsprechen und im Einklang mit der modernen Gesellschaft, Kultur und Leben stehen. Wenn das Leben im Buddhismus von der modernen Öffentlichkeit als nützlich erachtet wird, kann es akzeptiert und weit verbreitet werden. Wir im Tempel können die Funktion der Schule hinzufügen, indem wir die verschiedenen Kurse anbieten, um Körper und Geist der Menschen zu kultivieren und zu reinigen, die Menschen in den Tempel zu bringen, um dort den richtigen Dharma zu lernen und die Vorteile des Dharma zu erkennen.“

 

Osho Kigen

 

ist Zen-Priester im Bodhidhar­ma Zendo in Wien. In dieser Funktion leitet er Meditatio­nen, hält Dhar­mavorträge und bietet seinen Schülerinnen und Schülern Orientierung bei der Aus­übung der Zen-Praxis. Kigen, geboren in den USA, ist in Österreich seit 2012 als Nachfolger von Genro Osho Koudela tätig. Er leitet in Wien und am BergZendo auf der Hohen Wand Sesshins.

 

Seigaku+Kigen+Osho

 

Seine Botschaft: „Was meiner Meinung nach für eine weitere heilsame Entwicklung des Buddhismus in Österreich notwendig ist, ist ganz einfach: mehr Zeit. Buddhistische Leh­ren brauchen nichts über die Schönheit und Klarheit dessen, was sie ausdrücken, hinaus, um Menschen zur Praxis zu bewegen. Entwe­der es spricht einen Menschen an oder nicht. Natürlich denke ich, dass es gut ist, Gelegen­heiten zu schaffen, damit mehr Menschen mit den buddhistischen Lehren und der Praxis in Berührung kommen. Ich habe aber festgestellt, dass die Menschen, die neue Schüler werden, normalerweise uns finden, bevor wir sie fin­den. Der Buddhismus ist ein Weg für diejeni­gen, die versuchen, ihrem Leben und der Welt einen Sinn zu geben, der nicht nur auf reli­giösen Überzeugungen basiert. Ich sehe den Fortschritt des Buddhismus in Österreich wie das Gehen durch einen dichten Nebel, nach und nach werden wir immer mehr durchdrun­gen, es braucht nur Zeit und Geduld.“

 

Rev. MyoE Doris Harder

 

ist ordinierte Zen-Priesterin in der Linie von Kobun Otogawa Roshi und Shunryu Suzuki Roshi. Sie begann mit Zen 1992 am Puregg/Salzburger Land und absolvierte das Priest Training am San Francisco Zen Center (von 2002 bis 2009 und von 2015 bis 2018). Aufenthalt an der Stiftung Felsentor in 2004. In Wien lebend, macht sie Theaterregie und unterrichtet Achtsamkeit und Zen.

 

Doris Harder

 

Ihre Botschaft: „Da mein klösterlicher Weg für mich heilsam war und ist, möchte ich Interes­sierte ermutigen, so viel es geht in Buddhisti­schen Zentren und Klöstern Zeit zu verbringen und eine Lehrerin oder einen Lehrer zu finden. Das Lernen und Selbsterkennen geschehen viel schneller und tiefer mit vertrauenswürdi­gem Feedback in einem geschützten Sangha-Rahmen. Ohne diesen Kontakt können wir uns viel vormachen. Wo immer ich außerhalb einer Buddhistischen Institution lehre, versu­che ich, die Buddhistische Terminologie zu unterlassen, damit wir im Hier und Jetzt die wichtigen Fragen des Lebens angehen können, ohne dass Konzepte uns trennen: Achtsam­keit, Mitgefühl, Liebe, Resilienz, Krankheit, Tod ... kann studiert und gelehrt werden mit den Kernaussagen des Buddhismus (Ver­gänglichkeit, Nicht-Ich oder Verbundenheit, Leiden/Beenden des Leidens richtig verstehen) ohne viel Buddhistische Terminologie, direkt und in allgemein verständlicher Sprache.“

 

Chöje Lama Palmo

 

Chöje Lama Palmo ist in Österreich geboren, studierte und praktizierte den Buddhadharma seit ihrer Zu­fluchtnahme im Klösterlichen Sitz Palpung Sherab Ling bei ihrem Wurzel­lehrer Guru Vajradhara S. H. Chamgon Kenting Tai Situpa seit ihren frühen Zwanzigern. Sie erhielt zahlreiche Übertragungen von vie­len Meistern. Sie etablierte Palpung Europe mit Instituten in Purkersdorf bei Wien und Langschlag im Waldviertel, den Europäischen Sitz der Palpung-Linie, deren Sitz im Exil in Nordindien ist.

 

Choeje Lama Palmo

 

Ihre Botschaft: „Als Buddhisten ist es unser höchstes Gut, nicht nur um Buddhas Anwe­senheit auf dieser Erde zu wissen, sondern all seine Weisheit, die er uns in seinen Unterwei­sungen hinterlassen hat, tatsächlich praktisch in die Tat umzusetzen, um so zu werden, wie er: vollkommen frei aller soziokulturellen Hürden und Blockaden, zwischen denen wir aus Gewohnheit herumjonglieren. Buddhist zu sein bedeutet nicht, Lobbying für Buddha oder eine Organisation zu betreiben, sondern ganz persönlich den Anleitungen Buddhas zu folgen und zu praktizieren, was uns Dharma-Meister, die hehre Sangha, übertragen. Aus diesem Grunde habe ich zwei Anwesen geschaffen, eines im Westen von Wien und eines im Waldviertel, um genau das Interessierten geben zu können: Sie mit der Weisheit und dem stufenweisen Pfad zur Erleuchtung vertraut zu machen und ihnen einen sicheren Ort zu bescheren, an dem sie genau das bewerkstelligen und in unserem Klausurinstitut vertiefen können. Mein aller­persönlichster Beitrag zum Wohle aller ist, jeden Tag einige Zeit für meine persönliche spirituelle Praxis bereitzustellen, um mich der Erleuchtung aller fühlenden Wesen anzuneh­men.“

 

Lama Geshe TenDhar

 

geboren in Ladakh, Indien. Er kam im Zuge der Vorbereitung für die Kalachakra-Veranstal­tung 2002 nach Graz. Seit damals ist er eng mit Österreich verbunden. Spiritueller Lehrer und Leiter der tibetisch-buddhistischen Dhar­magemeinschaft TDC – Thekchen Dho-ngag Choeling und Direktor des Tibetzentrums Österreich in Knappenberg/Kärnten, ein in­ternationales Bildungsinstitut, das tibetische Wissenschaften der Medizin, Astrologie und Philosophie vermittelt und dessen Schirmherr Seine Heiligkeit der Dalai Lama ist.

 

GesheTenDhar

 

Seine Botschaft: „Wie kann man sicherstel­len, dass sich der Buddhismus in die richtige Richtung entwickelt? Was ist das Wichtigste? Was ist das eigentlich Wesentliche? Für mich ist dies im Begriff ,authentischer Buddhismus‘ ausgedrückt: es ist das, was vom Buddha, von den Arhats, den Panditas und den Meistern der verschiedenen Übertragungslinien gelehrt wurde. Wenn wir sicherstellen können, dass die buddhistische Praxis in Österreich authen­tisch ist und sich aus authentischen Quellen speist, dann muss man die Unterscheidung zwischen einer positiven oder negativen Ent­wicklung nicht mehr machen, denn sie kann sich nur positiv entwickeln. Wenn wir das nicht tun und die buddhistischen Lehrer und Verantwortlichen der buddhistischen Gemein­schaften und Zentren sich darin verstricken, ihre eigene Agenda voranzutreiben, andere auszumanövrieren, sektiererische Vorurteile fördern und vorwiegend dem Geld nachlaufen dann denke ich, dass die positive Entwick­lung der Lehre Buddhas eher unwahrschein­lich ist. Das Hauptaugenmerk sollte daher darin bestehen, sicherzustellen, dass wir authentischen Buddhismus praktizieren! Aus der Sicht der Lehre Buddhas macht es keinen Unterschied, welches Ziel wir verfolgen: ob es das vollständige Erwachen eines Buddhas ist, die Befreiung aus den Leiden Samsaras, eine bessere Wiedergeburt oder ob wir nach Glück und Zufriedenheit in diesem Leben streben und einen ruhigen, friedvollen Tod wünschen - unsere Praxis ist immer Teil der drei höhe­ren Schulungen - Ethik, Meditation, Weisheit. Damit wir die höheren Schulungen der Medi­tation und der Weisheit entwickeln können, müssen wir deren Grundlage, die höhere Schulung der ethischen Disziplin, kultivieren. Dies kann in Form von Gelübden der ordinier­ten Sangha oder in Form von Laiengelübden geschehen bzw. in Form ihrer Grundlage: dem Aufgeben der zehn negativen Handlungen und dem Kultivieren positiver Handlungen. Wenn wir es schaffen, Heilsames zu kultivie­ren, ohne einem selbstsüchtigen Geist und destruktiven Geisteszuständen zum Opfer zu fallen, dann wird sich unsere individuelle Praxis in die richtige Richtung entwickeln und damit auch der Buddhismus als Ganzes. Das ist für mich die Wurzel der heilsamen Entwicklung des Buddhismus hier in Öster­reich und überall. Das ist etwas, wonach jeder und jede von uns individuell streben muss. Das ist aber auch etwas, wonach wir kollektiv in Form von buddhistischen Organisatio­nen streben müssen. Wenn wir das schaffen, dann sehe ich nicht viel, was eine positive Entwicklung des Buddhismus in Österreich aufhalten könnte. Was ich persönlich und die Menschen um mich tun, um diese heilsame Entwicklung sicherzustellen, ist genau das: Wir tun unser Bestes, dass der Buddhismus authentisch praktiziert wird. Das haben wir in der Vergangenheit getan und wir werden es auch in Zukunft tun. Ich bete für die weitere heilsame Entwicklung von Buddhas Lehre hier in Österreich!“

 

Eine Liste aller in Österreich tätigen Orden und Dharmagruppen findet sich auf der ÖBR-Website unter www.oebr.at/buddhismus-in­oesterreich/oebr-gruppen-und-orden/

 

Vorträge und Seminare

 

Ein großes und vielfältiges Programm bieten Gastlehrer und erfahrene Laienpraktizieren­de, um durch Einführungen, Vorträge, Kurse und Seminare zur Verbreitung des Dharma beizutragen. So spricht beispielsweise ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab in einem Podcast eine Einführung in den Buddhismus und es gibt neben einer Vielzahl von Meditations­veranstaltungen auch spezielle Angebote für Jugendliche, Schulen und Familien.

 

Das komplette Programm findet sich unter www.oebr.at/angebotprogramm/

 

Bibliothek und Archiv

 

In der hauseigenen ÖBR-Bibliothek befinden sich an die 2700 Bände: Primärtexte des Bud­dhismus, Literatur zu Meditation und Praxis, Kommentarliteratur, Biografien, Grundlagen-werke, philosophisch-wissenschaftliche und religionsvergleichende Arbeiten, westlicher Buddhismus, buddhistische Kunst und Reise­literatur, buddhistische Lyrik und Prosa und vieles mehr. Die Bibliothek enthält Bücher aus allen Traditionen – Theravada, Mahayana, Vajrayana – der buddhistischen Literatur in Deutsch und Englisch.

 

Sehr bedeutend ist der Nachlass von Karl Eugen Neumann (1865–1915), der wohl wich­tigsten Persönlichkeit in der Geschichte des Buddhismus in Österreich. Er übersetzte nicht nur den größten Teil der Lehrreden des Bud­dhas aus dem Pali-Kanon, ein monumentales Werk, das bis heute unübertroffen ist, sondern beeinflusste damit auch Künstler und Intellek­tuelle europaweit.

 

Im Archiv finden sich auch die Bücher der Walter-Karwath-Bibliothek. Karwath war langjähriger Präsident der ÖBR (1977–1986) und wichtigster Betreiber auf dem Weg zur staatlichen Anerkennung des Buddhismus in Österreich im Jahr 1983.

 

Praktizieren und üben

 

Der buddhistische Tempel „Der mittlere Weg”, ein Meditationszentrum im Herzen Wiens, wird von der Österreichischen Buddhisti­schen Religionsgesellschaft verwaltet und steht allen offen, die den Weg des Buddha ge­hen wollen. Vor allem kleinere Dharmagrup­pen finden hier einen sehr schönen Praxisort. Bei Interesse bitte sich an das ÖBR Sekretariat zu wenden: office@buddhismus-austria.at

 

Die Serie wird fortgesetzt.

 

Redaktion: Manfred Krejci, Fotos und Grafik: ÖBR

 

Manfred Krejci

war langjähriger Verlagsleiter und Chef­redakteur in einem renommierten Fachzeitschriftenverlag, besuchte den Lehr­gang der Akademie für Buddhismus und Christentum, absolvierte eine Ausbildung zum Meditations- und Achtsamkeitslehrer, unterstützt die ÖBR im Bereich Öffentlich­keitsarbeit und ist Leiter ihrer Bibliothek.

  



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