Die Lehre vom Bedingten Entstehen

Kopf einer Buddha-statueBagan)

“Wer das Bedingte Entstehen sieht, sieht den Dharma.
Wer den Dharma sieht, sieht das Bedingte Entstehen.”
 

 

Das Herzstück der buddhistischen Lehren

 

Die Lehre vom Bedingten Entstehen ist das Fundament, auf dem alle buddhistischen Traditionen ruhen.
Pratityasamutpada auf Sanskrit oder Paticcasamuppada auf Pali bedeutet wörtlich: “das Zusammen-Entstehen in Abhängigkeit”, gemeint ist, dass alles, was existiert, nur in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedingungen entstehen und vergehen kann. Kein Phänomen – ob physisch oder geistig – existiert unabhängig, isoliert oder aus sich selbst heraus.

Alles entsteht, vergeht und verändert sich in Abhängigkeit von vielfältigen Ursachen und Bedingungen.

Wenn dieses ist, ist jenes

In seiner einfachsten Form lässt sich dieses Prinzip so zusammenfassen:

  • (Nur) Wenn dieses vorhanden ist, entsteht jenes.
  • Wenn dies nicht vorhanden ist, entsteht jenes nicht.
  • Durch das Aufhören von diesem hört jenes auf.

Die Vielfalt der Auslegungen

 

Die fundamentale Bedeutung der Lehre vom Bedingten Entstehen ist für alle buddhistischen Schulen gleich, dennoch gibt es unterschiedliche Akzente in der Auslegung.

 

1. Die Tradition des Theravada: Die Kette der 12 Glieder

Im Theravada wird das Bedingte Entstehen meist anhand einer Kette mit 12 Gliedern erklärt. Sie beschreibt im Detail, wie Schmerz und Leiden entsteht und schließlich in Geburt, Alter und Tod mündet. Der Fokus liegt hierbei auf der Analyse des individuellen Erlebens und dem Durchbrechen dieses Kreislaufs (Samsara) durch Erkenntnis und Achtsamkeit.

 

2. Mahayana und Vajrayana: Die Leere (S. shunyata)

In den Mahayana-Traditionen wird das Bedingte Entstehen mit der Lehre von der Leere (S. shunyata) verknüpft. Da alle Dinge von Ursachen und Bedingungen  abhängig sind, besitzen sie keinen festen, bleibenden Wesenskern. Sie haben kein „Eigenwesen“, sie sind “leer von einem Selbst”. Aufgrund dieser gegenseitigen Abhängigkeit und des Fehlens eines Kerns wird die gesamte Wirklichkeit wie ein dynamisches Netz verstanden, in dem jeder einzelne Teil das Ganze widerspiegelt. (S. indrajala)

Die Lehre vom “Intersein” (Thich Nhat Hanh)

Der vietnamesische buddhistische Lehrer Thich Nhat Hanh hat mit seiner Lehre vom “Intersein” (Englisch: Interbeing) einen zeitgemäßen und anschaulichen Zugang zu den alten Lehren entwickelt:

Wir können nicht “allein” existieren, sondern nur zusammen  “inter-existieren”. Thich Nhat Hanh verdeutlicht das an einem Blatt Papier. Wenn wir es genau und tief betrachten, können wir die Wolke sehen, die den Regen bringt; den Wald, der das Holz liefert; den Holzfäller, und viele andere Elemente, die an der Erzeugung dieses Blattes Papier beteiligt sind.

Sein heißt Inter-Sein (to be is to interbe)

Thich Nhat Hanh

Warum ist das heute wichtig?

 

Die Lehre vom Bedingten Entstehen ist weit mehr als bloße philosophische Spitzfindigkeit. Sie ist Teil der spirituellen Praxis und muss genauso geübt werden wie ethisches Verhalten oder Meditation. Nur wenn wir sie zutiefst verinnerlichen, hat sie Folgen auf unser Verhalten. Wenn wir erkennen, dass wir Teil eines unendlichen Netzes von Wechselwirkungen sind, wandelt sich unser Blick auf die Welt, und wir können unser Handeln und Gewohnheiten allmählich verändern:

 

  • Ökologische Verantwortung: Wenn alles mit allem verbunden ist, ist der Schutz der Umwelt genauso wichtig wie der unseres eigenen Lebens

 

  • Soziales Engagement: Wenn das Leid der anderen nicht mehr vom eigenen getrennt erscheint, kann sich Mitgefühl, Fürsorge auf natürliche Weise entwickeln.
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