Überlieferung der Lehren
Neben den schriftlichen Überlieferungen gibt es mündliche und non-verbale, symbolische Überlieferungen der Lehren des Buddha.
Wie werden die Lehren des Buddha überliefert?
Die zahlreichen Lehren des Buddha wurden zunächst ausschließlich mündlich weitergegeben. Versform und Wiederholungen machten es leichter, die Inhalte im Gedächtnis zu behalten. Die schriftliche Aufzeichnung der Lehren des Buddha begann erst Jahrhunderte nach seinem Tod (ab dem 1. Jh. v.u.Z.). Die Texte wurden in verschiedenen Sprachen verfasst (Pali, Sanskrit, Tibetisch, Chinesisch etc.) und sind bis heute Grundlage für Studium und Praxis.
Seitdem gibt es im Buddhismus drei Wege, wie die Lehren weitergegeben werden:
- schriftlich: der Pali-Kanon, Mahayana-Sutras, Praxis-Texte wie die buddhistischen Tantras und Sadhanas, auch durch Kommentare oder Berichte
- mündlich: durch Rezitation oder direkte Weitergabe von den Lehrenden an ihre Schüler und Schülerinnen
- non-verbal: durch Symbole (Gesten, Interaktion, Rituale, Mandalas, Meditation)
Jede Tradition hat ihre eigenen Schwerpunkte – doch alle zielen darauf ab, die Lehren des Buddha lebendig und zugänglich zu halten.
Schriftliche Überlieferungen
Die schriftliche Überlieferung im Buddhismus ist umfangreich und gliedert sich in verschiedene Textgruppen
- Kanonische Sammlungen (Pali-Kanon, Mahāyāna-Sutras, chinesischer Kanon, tibetische Texte).
- Nicht-kanonische Texte (Kommentare und Abhandlungen; Biografien und Berichte)
- Praxis-Texte (Ritualtexte und Gebetsbücher)
Erst etwa 400 Jahre nach Buddhas Tod entstand die heute älteste und bekannteste schriftliche Sammlung von Lehrreden, der Pali-Kanon (in Pali: Tipitaka, wörtlich „Dreikorb“). Er besteht aus drei Bereichen, den Sammlungen der Lehrreden des historischen Buddha (sutta-pitaka), den Ordensregeln (vinaya-pitaka) und den Beschreibungen buddhistischer Philosophie und Psychologie (abhidhamma-pitaka). Er umfasst viele tausende Lehrreden und wird v.a. in der Theravada-Tradition verwendet.
Etwas später entstanden der chinesische sowie der tibetische Kanon, die weitere wichtige Textsammlungen enthalten.
Bedeutende Texte im Mahayana-Buddhismus sind das Lotus-Sutra, das Diamant-Sutra, das Mahaparinirvana-Sutra und das “Herz-Sutra” (S. prajnaparamita-hrdaya-sutra). Der Tibetische Buddhismus hat eigene Sammlungen von Lehrreden und Abhandlungen überliefert (Kangyur und Tengyur). Das Buch “Befreiung durch Hören im Bardo” (bekannter als “Tibetisches Totenbuch”) ist auch im Westen einer breiteren Leserschaft bekannt.
Die Übertragung außerhalb der Schriften
Viele buddhistische Lehren werden nicht durch Worte, sondern durch direkte unmittelbare Erfahrung, durch Rituale, Symbole, Gesten, Interaktionen oder Kunst vermittelt. Diese Form ist besonders im Vajrayana und Zen stark ausgeprägt und wird auch als „Dharma-Übertragung“ bezeichnet. Es ist ein Prozess, bei dem das Verständnis und die Essenz des Dharma, der buddhistischen Lehren, weitergegeben werden, ohne dass dabei explizit Worte verwendet werden müssen.
Darauf berufen sich v.a. die Chan- und Zen-Traditionen in China, Japan und Korea. Man nimmt an, dass die tiefste Wahrheit des Dharma (der Lehre des Buddha) nicht vollständig durch Worte oder Schriften erfasst werden kann. Als Beginn der Überlieferung wird die Übertragung der Lehren auf Mahakashyapa so beschrieben:
Am Ende eines Vortrages hielt Buddha eine Blüte hoch und schwieg. Mahakashyapa verstand die Geste … er faltete seine Hände und lächelte. Das genügte – der Buddha bestätigte dessen hohen Grad an Verwirklichung, indem er Mahakashyapa den Schatz des „Wahren Dharma-Auges“ übertrug.
So wurde Mahakashyapa zum 1. Patriarchen und Begründer der Dhyana-Tradition (im chinesischen Chan, im Japanischen Zen)



