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24.09.2021

Feierliche Verabschiedung von Heinz Vettermann

Unter großer Anteilnahme buddhistischer Orden und Gruppen, namhafter Glaubensgemeinschaften, politischer Vertreter, Wegbegleiter und Familienangehöriger fand heute in der Feuerhalle in Wien-Simmering die feierliche Verabschiedung von Heinz Vettermann statt.

 

Vettermann war am Freitag, 20. August, im Alter von 64 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

 

In seiner Ansprache betonte ÖBR-Präsident Gerhard Weissgrab die tiefe und vertrauensvolle Beziehung zum Verstorbenen: „In den letzten 10 Jahren warst Du für mich nicht nur ein sehr geschätzter Freund am Weg des Dharma, sondern auch ein unersetzlicher Partner bei unserer gemeinsamen Arbeit für den Buddhismus.“

 

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Als eines der großen Projekte führte Weissgrab den Campus der Religionen an, der derzeit in der Seestadt Aspern entsteht und von acht Religionsgemeinschaften gemeinsam realisiert wird: „Heute sind viele Vertreter der anderen Religionen hier, um Dir die letzte Ehre zu erweisen. Viele von ihnen sind von Dialogpartnern auch zu Deinen Freunden geworden.“ Im Rahmen einer gemeinsamen Kranzniederlegung wurde dieser engen Verbundenheit gedacht.

 

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Landtags-Präsident Ernst Woller, Stadtrat Jürgen Czernohorszky und Stefanie Vasold, SPÖ Josefstadt, würdigten Vettermann für seinen unermüdlichen politischen Einsatz in Wien. Als Gemeinderat und Landtagsabgeordneter der SPÖ, Bildungssprecher des SPÖ-Rathausklubs und Vorsitzender der SPÖ Josefstadt war Vettermann stark in der Wiener Gemeindepolitik verankert. Zur Verabschiedung waren auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Nationalrats-Präsidentin Doris Bures erschienen.

 

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Der Abschluss der Feierlichkeiten war ganz dem Buddhismus gewidmet und wurde mit einer Würdigung durch Othmar Franthal, Zen-Meister und Koanlehrer von Heinz Vettermann, eröffnet.

 

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Darauf rezitierte Bhikkhuni Santacitta die buddhistische Zufluchtnahme auf Pali und deutsch. Es folgte das Herzsutra, rezitiert von Mönchen des Shaolin-Ordens und schließlich verlas ein Vertreter dieses Ordens eine Kondolenzbotschaft des Abtes vom Shaolin-Kloster in China.

 

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Ansprache von ÖBR-Präsident Weissgrab im Wortlaut

 

Geschätzte Trauergäste, ehrwürdige Nonne, ehrwürdige Mönche, liebe Familie, lieber Heinz!

Es gibt im Zen-Buddhismus einen Spruch, der lautet: „Du weißt nicht, was früher kommt, der nächste Morgen, oder das nächste Leben!“ Dein, lieber Heinz, für mich und uns alle unerwartetes Ausscheiden aus dieser Existenz, hat uns mit Schrecken und Klarheit vor Augen geführt, wie richtig das ist. Du warst nicht nur in diesem Punkt, sondern auch bei vielen anderen Gelegenheiten ein guter Dharma-Freund und Lehrer.

 

Seit unserem ersten Zusammentreffen vor fast 20 Jahren - Du wolltest damals mit mir über die Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe „Red Buddha“ mit der ÖBR sprechen - bis zu unserem letzten Telefonkontakt, aus dem dann leider kein Gespräch mehr wurde, weil Du gerade in einem Schweige-Retreat warst, hat uns vieles zutiefst verbunden.

 

Es war Deine Menschlichkeit und Offenheit, mit der du allen Menschen gegenübergetreten bist, die mich nicht nur beeindruckt, sondern auch mein grenzenloses Vertrauen in Dich begründet haben. Und dann war da noch Dein Humor und Deine große Gelassenheit, die ich nicht nur einmal versucht habe, mir zum Vorbild zu nehmen.

 

Genau in diesen Wochen geht unsere zweite gemeinsame Amtsperiode zu Ende. Du hast in diesen beiden Perioden alle Deine wertvollen Talente und Ideen mit großem Einsatz der Entwicklung der Lehre des Buddha in unserem Land gewidmet. Deine Bewerbung für die dritte Periode liegt in unserem Büro. Sie wird jetzt nicht mehr ausgesandt werden, sondern einen ehrenvollen Platz bekommen.

 

Ich denke oft an unser Gespräch beim Flug nach Hause von den Vesakh-Feierlichkeiten in Vietnam von Hanoi nach Wien, bei dem Du mich überzeugt hast, mit Dir für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren. Wir hatten vor, noch sehr viel gemeinsam umzusetzen. Es war nicht nur der Campus der Religionen, von dem heute viele Vertreter der anderen Religionen hier sind, um Dir die letzte Ehre zu erweisen. Viele von ihnen sind von Dialogpartnern auch zu Deinen Freunden geworden.

 

In den letzten 10 Jahren warst Du für mich nicht nur ein sehr geschätzter Freund am Weg des Dharma, sondern auch ein unersetzlicher Partner bei unserer gemeinsamen Arbeit für den Buddhismus. Und ich verspreche Dir, dass ich jetzt unseren gemeinsamen Weg auch in Deinem Sinne weiter gehen werde.

 

Ich glaube auch, dass du mit mir übereinstimmen würdest, wenn ich sage, dass wir eine besonders tiefe und vertrauensvolle Beziehung hatten. Es gab immer einen großen Grundkonsens zwischen uns und mir war schon lange bewusst, wie besonders und wertvoll das ist.

 

Dein plötzlicher Tod, lieber Heinz, lehrt mich jetzt, dass man das nicht nur erkennen soll, sondern auch dem Anderen kommunizieren. Unsere Verbundenheit bleibt bestehen und daher kann ich darauf vertrauen, dass Du es immer noch wahrnehmen kannst, wenn ich Dir sage, wie dankbar ich Dir dafür bin.

 

Diese Dankbarkeit – und das weiß ich aus zahlreichen Gesprächen – kommt nicht nur von mir, sondern von ganz vielen Menschen, die mit Dir den Dharma-Weg gegangen sind.

 

Lieber Heinz, die beste Form, Dir jetzt diese Dankbarkeit auszudrücken besteht darin, Dein heilsames Wirken in Deinem Sinne weiter zu tragen. Und ich verspreche Dir, dass wir das machen werden.

 

Zum Wohle aller fühlenden Wesen und auch zu Deinem Wohle – mögen heilsame Bedingungen weiterhin Deinen Weg begleiten! Mögen alle Wesen wohlauf und glücklich sein!

 

Redaktion und Fotos: Manfred Krejci



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