Meditation
Die buddhistischen Formen der Meditation sind so vielfältig wie die Kulturen, in denen sich der Buddhismus verbreitet hat.
Das Ziel des buddhistischen Weges ist das “Erwachen” und damit verbunden die Befreiung vom existenziellen Leiden. Dieser Zustand wird Nirvana genannt. Das bleibt in allen Ausprägungen der Lehren gleich.
Die Methoden aber, die zu diesem Ziel führen sollen, die “Werkzeuge”, unterscheiden sich voneinander. Je nach individueller Veranlagung kann die eine oder auch die andere Praxis zielführend sein.
Theravada: Die Schule der Ältesten
Die Meditationsformen beruhen auf dem Pali-Kanon, der ältesten schriftlichen Überlieferung, wie auf der Lehrrede über die “Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit” (P. Satipatthanasutta) oder der Lehrrede über das Bewusste Atmen (P. Anapanasatisutta) oder dem “Metta-Sutta”. Daraus haben sich verschiedene Übungsbereiche entwickelt
- Vipassana (Einsichtsmeditation): Ziel ist Einsicht, “Klarblick” im Sinne von umfassenden Erkenntnissen über sich selbst und die Natur der Wirklichkeit.
- Samatha (Geistesruhe): Ziel ist das Zur-Ruhe-Kommen des Geistes, die Erfahrung einer tiefen inneren Sammlung (P. jhana).
- Metta: Die Kultivierung von positiven Emotionen, wie Freundlichkeit, Wohlwollen, traditionell “Liebende Güte“ genannt.
Theravada-Gruppen in Österreich
Mahayana: Das Große Fahrzeug
Im Mahayana entwickeln sich eigene Formen der Praxis, die von der jeweiligen Kultur beeinflusst sind: chinesisch, japanisch, koreanisch, vietnamesisch, …
Gemeinsam ist, dass die Einsicht in die eigene “Buddha-Natur” (das ist das Potenzial des Erwachens, das jeder Mensch in sich trägt) und die unmittelbare Erfahrung der Leerheit (S. shunyata ) in den Mittelpunkt der Praxis rückt.
Ein zentrales Merkmal ist auch das Streben nach dem Ideal des Bodhisattvas. Bodhisattvas sind Personen, die ihr eigenes Erwachen hintanstellen und den “Erleuchtungsgeist” (S. bodhicitta), Weisheit und aktives Mitgefühl kultivieren, um zum Wohle aller Wesen zu wirken.
Beispiele für Formen der spirituellen Praxis
- formale Meditation im Sitzen (jap. zazen),
- Sutren-Rezitation, Zeremonien
- Koan-Praxis: Die innere Arbeit mit paradoxen Rätseln (zB „Wie klingt das Klatschen einer einzelnen Hand?“)
- Arbeitsmeditation
Tibetischer Buddhismus (Vajrayana)
Im tibetischen Buddhismus werden vielfältige Methoden praktiziert, die im Kontext einer erprobten und vertrauensvollen Beziehung zwischen Lehrenden und ihren Schülern und Schülerinnen übertragen und geübt werden.
Manche Praxismethoden sind sehr einfach und direkt, andere werden über viele Jahre hinweg vertieft und vervollkommnet. Beispiele dafür sind:
- Stille Sitzmeditation
- Yogische Übungen und Atemtechniken
- Rezitationen und Gesänge
- Visualisierungen mit Verwendung von Mantras (heiligen Silben und Klänge) und Mudras (bestimmten Gesten oder Körperhaltungen)
- Sadhana: Praktizierende visualisieren sich selbst als ein erwachtes Wesen (einen Buddha oder Bodhisattva), um deren Qualitäten wie Mitgefühl oder Weisheit direkt zu verkörpern.
- Guru-Yoga (Tibetisch: Lama’i Naljor): die Vereinigung mit dem Geist des Lamas
- Dzogchen (“Große Vollkommenheit”) und Mahamudra (“Großes Siegel”): die direkte Erfahrung der Leerheit, die Erkenntnis der Natur des eigenen Geistes
Interessieren Sie sich für Meditation?
Wir empfehlen Kurse für EinsteigerInnen mit persönlichem Kontakt zu den LehrerInnen bzw. zu einer Gemeinschaft (Sangha)
Hinweise
Meditation hat nachweislich zahlreiche positive Wirkungen.
Nicht immer ist aber jede Art der Meditation für jeden Menschen geeignet. Deshalb empfiehlt es sich, vor längeren Meditationsseminaren (Retreats) Einführungskurse zu besuchen und im Zweifelsfall mit den Lehrerinnen oder Leitern Rücksprache zu halten.
Meditation ist kein Ersatz für medizinische und/oder therapeutische Behandlung. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei einem Arzt, einer Ärztin oder einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten, der/die Erfahrung mit Meditation hat.





